Artikel-Schlagworte: „Keramik“

Töpfermarkt in Rheinsberg
Dass Rheinsberg seit dem Wirken der Preußischen Prinzen im Schloss einem Musentempel für Musik, Theater und Literatur gleicht, ist allgemein bekannt. Aber der heutige Erholungsort im Norden Berlins wird auch die Stadt der Keramik genannt. Die Tradition geht auf Friedrich den Großen zurück, denn bereits 1762 begann in Rheinsberg die Keramikfertigung. Aus den Jahren des Anfangs haben sich beliebte Formen und Dekore bis in die Gegenwart erhalten. Zu DDR-Zeiten veranstaltete der Feriendienst für Urlauber einen wöchentlichen Pottmarkt. Die typischen Teekannen und das Geschirr mit den unverwechselbaren Farben waren stets begehrt. 2007 findet der Markt zum zwölften Mal statt und rund 25.000 Besucher kommen jedes Jahr im Oktober zum Schauen, Staunen und natürlich Kaufen. Etwa 70 Aussteller jährlich machen den Rheinsberger Töpfermarkt zu einem der größten und begehrtesten in Deutschland. Das historische Ambiente der Prinzenstadt zwischen Triangelplatz, Schlossstraße und dem Platz vor der Sankt-Laurentius Kirche, die
große Auswahl an Gebrauchsgeschirr, tönernem Schmuck, Tierskulpturen oder Einzelkunstwerken für Wohnung, Haus und Garten sowie die Sachkundigkeit machen den Töpfermarkt zu etwas Besonderem für Veranstalter und Besucher gleichermaßen. Einige nehmen zielstrebig die Suche nach ihrem Töpferzeug vom Vorjahr auf, um die Sammlung zu ergänzen, um Weihnachtsgeschenke zu erstehen oder weil man mit den Leuten so nett über ihre Waren reden kann. Es ist gute Tradition, zwischen dem Befühlen der Stücke, einen Plausch zur speziellen Herstellungsart oder zur Farbe oder der Dekoraufbringung mit den Kunsthandwerkern zu führen. Unter dem Motto “Ton & Töne” gibt es unterschiedliche musikalische Veranstaltungen im Schlosstheater oder Konzerte in der Pfarrkirche St. Laurentius. Auch Kirchenführungen mit Musik rund um die Scholtze-Orgel von 1767 und die moderne Nußbücker-Orgel aus dem Jahre 1994 werden angeboten. Die Keramikgalerien der ansässigen Künstler Henrik Schink, Karl Fulle und Roland Weidt erwarten Besucher genauso wie die
beiden Manufakturbetriebe Carsten Keramik und Rheinsberger Keramikhandel Dornbusch. Dann gibt es noch eine ganz und gar erschreckliche Sache zu bestaunen: Um die Mittagszeit erscheint an beiden Tagen König Drosselbart hoch zu Ross aus dem Grimmschen Märchen und zertöppert zornentbrannt viel tönernes Geschirr. Das ist besonders eine Attraktion für die Kinder, die besorgten Erwachsenen wird trösten, dass nur Fehlbrände am Stand der hochmütigen Prinzessin in Scherben geschlagen werden. Angesichts des Scherbenhaufens achten die Besucher noch mehr darauf, die wertvollen Stücke der Keramikkünstler behutsam zu begutachten, wohl wissend, wie viel Ideenreichtum, handwerkliches Geschick und Kunstverstand in einem einzigen Becher stecken. Mit den keramischen Werkstätten, den Galerien und natürlich dem Töpfermarkt als Highlight fügt sich die Stadt Rheinsberg in die Kette der traditionsreichen Orte im Norden Brandenburgs ein, die sich mit etwa 215 Kilometer Rundkurs zur Deutschen Tonstraße?g zusammengefunden haben.